Was ist Saure Rinse?

Über den Begriff Saure Rinse, bin ich auch erst vor kurzem gestoßen, als ich mich mit Haarseifen beschäftigt habe. Ich entschied mich dann, ein bisschen zum Thema zu recherchieren. Insbesondere Langhaar-Träger/innen kennen das Problem: Nach dem Waschen lassen sich die Haare schlecht bürsten, sind oft spröde und rau. Das kommt gerade dann vor, wenn man statt zum Flüssigshampoo in der Plastikflasche zu umweltfreundlichen Alternativen wie klassischen Haarseifen oder modernen Shampoo-Bars greift. Dabei bleiben manchmal unliebsame Seifenrückstände im Haar zurück. Das passiert insbesondere bei sehr kalkhaltigem Wasser. Da hilft auch lange ausspülen nichts. Da feste Haarseifen in der Regel auf Silikone verzichten, können die Haare nach dem Waschen stumpf wirken.

Silikone glätten zwar wunderbar die Haarstruktur, sind aber ganz besonders schädlich für die Umwelt, da sie aus Erdöl gewonnen werden und als Mikroplastik in die Gewässer gelangen. Zwar gibt es im Handel eine schier unendliche Auswahl an Spülungen (meist ebenfalls in Plastikflaschen), die Abhilfe bei Haarproblemen versprechen. Doch die sind durch die vielen chemischen Zusatzstoffe meist alles andere als umweltverträglich und dazu auch noch richtig teuer.

Dabei hat fast jeder die wohl simpelste und kostengünstigste Möglichkeit einer natürlichen Haarspülung zuhause im Küchenschrank stehen, ohne es zu wissen: Apfelessig. Schon ein Schuss Apfelessig auf einen Liter Wasser genügt, um eine sogenannte Saure Rinse und damit eine natürliche, umweltfreundliche Haarspülung in Sekundenschnelle und für wenige Cent selbst herzustellen.

Saure Rinse klingt ein wenig altbacken und wie ein Rezept aus Omas Suppenküche, hat es auf der Kopfhaut aber gewaltig in sich, getreu dem Motto: „Sauer macht lustig“. Eine Saure Rinse ist nichts Außergewöhnliches. Es handelt sich hierbei einfach um eine Haarspülung auf natürlicher Basis, die gerade bei der Verwendung von Seifen, sehr empfehlenswert ist. „Rinse“ kommt aus dem Englischen und bedeutet „Spülung“.

Junge Frau mit gewelltem blondem Haar pflegt ihre Haare mit Seife und Saurer Rinse.
Ob lockiges, gewelltes oder glattes Haar: Eine Haarspülung ist bei der Verwendung von Seife als Haarshampoo wichtig.

Doch warum sauer?

Sauer ist sie dehalb, weil die Substanzen dieser Art von Pflege im sauren pH-Bereich liegen, wodurch das Haar am effektivsten geschützt wird.

Da die Inhaltsstoffe von Shampoos oder Haarseifen meist alkalischer sind, dem Gegenteil von sauer, trocknet die Haarstruktur langfristig aus, wenn man nicht zusätzlich Feuchtigkeit zuführt.

Perfekter Haarpflege-Abschluss: Die Saure Rinse

Rinse glättet die Haaroberfläche und macht das Haar geschmeidig. Grob gesagt, ist eine Saure Rinse gesund für die Haare und sorgt für einen natürlichen Glanz.

Am einfachsten nutzt man dafür einfachen Apfelessig, direkt nach dem Haare waschen. Wer jedoch den Geruch von Essig nicht mag, kann etwas experimentieren und den Duft ganz nach dem eigenen Geschmack ändern. Verschiedene Rezepte, wie Ihr eure eigene Rinse herstellen könnt, findet Ihr im Netz.

„Sauer macht lustig“

Dies ist ein weit verbreiteter Spruch mit durchaus wahrem Kern. Bring dein Haar zum Lächeln! Und wie? Indem du es mit einer Sauren Rinse verwöhnst, was auch deine Kopfhaut liebt. Der Extrabonus: Wunderschöner Glanz, da eine glattere Oberfläche das Licht besser reflektiert.

Eine Saure Rinse erledigt den Job, das durch kalkhaltiges Wasser und aggressive Waschsubstanzen bedingte Alkalisieren zu neutralisieren und deine Haarstruktur zu versiegeln. Heißt, die einzelnen Schüppchen, aus denen sich das Haar zusammensetzt, welche durch die Reinigung aufquellen, ziehen sich dann wieder zusammen und liegen am Schaft an. So erscheint dein Haar griffiger und glänzt wie das Fell eines frisch gestriegelten Ponys.

Zwei Haarseifenstücke in grün und braun. Der Einsatz von Haarseifen bewirkt, dass die Haare schwerer kämmbar werden.
Die meist sehr alkalischen Haarseifen machen den Einsatz von Rinse unverzichtbar.

Gleichzeitig wird es auch leichter kämmbar. Hast du, wie ich, im Ausland mangels ausreichender Fremdsprachenkenntnisse einmal versehentlich Spülung statt Shampoo verwendet, merkst du spätestens dann, dass eine Spülung keine Reinigungskraft besitzt. Selbst nach dem fünften Waschdurchgang wirst du bei alleiniger Verwendung einer Spülung, auch Conditioner genannt, dieser nicht einmal die Andeutung eines „Schaumkrönchens“ entlocken können. Wie frisch gewaschen sieht das Haar dann auch nicht aus, im Gegenteil.

Ein Aufquellen der Haarstruktur, bedingt durch reinigende Tenside (für Schaum sorgende Substanzen), welche tief in die Haarstruktur eindringen, um Schmutz und Fett herauszuwaschen, ist also notwendig. Und genau dadurch deshalb ist die nachfolgende Rinse unverzichtbar. Doch sauer sollte sie sein, Bitteschön!

Nachfetten hinausgezögert

Junge Frau hält Haare hoch, damit der Haaransatz zu sehen ist.
Die Haare fetten mithilfe der Rinse weniger schnell nach.

Doch die Säure der Rinse kann nicht nur gründlich eventuell verbliebene Reste an Haarseife oder Shampoo herausspülen und kalkhaltiges Wasser neutralisieren, sondern auch deine Kopfhaut wieder ins natürliche Gleichgewicht bringen.

Dadurch fetten die Haare praktischerweise weniger schnell nach. Ebenso ein großes Plus der Sauren Rinse. Ich verwende sie immer statt des üblichen Conditioners, denn sie ersetzt diesen bestens.

Auch angebracht bei Lockenpracht

Lockenköpfe haben weniger mit dem Problem der schnellen Nachfettung als mit trockener Widerspenstigkeit zu kämpfen, da lockiges Haar schon von Natur aus trockener ist. Genau deshalb musst du, falls du mit wunderschönen Locken gesegnet sein solltest, aufpassen, dass du zur Reinigung ein Shampoo mit möglichst milden Tensiden benutzt. Um nicht noch mehr „Sahara-Feeling“ im Schopf zu haben. Gilt natürlich auch für dauergewelltes Haar.

Da die meisten Waschseifen allerdings aggressivere Tenside enthalten als Shampoos und folglich das Haar mehr austrocknen, sollten Lockenträger besser auf milde Shampoos zurückgreifen. Bestehst du aber aus verschiedenen Gründen auf einer umweltfreundlichen Haarseife, ist eine Saure Rinse praktisch ein Muss. Wir haben zuhause stark kalkhaltiges Wasser, daher mache ich nach dem Waschen fast immer eine Saure Rinse, da ich nicht mit eventuellen Kalkrückständen im Haar herumlaufen möchte.

Gesträhntes, blondiertes und gefärbtes Haar

Frau mit gefärbten, lockigen Haaren nach der Verwenugn von Rinse als Conditioner.
Bei strapaziertem Haar, bsp. aufgrund von Färben, ist Rinse besonders wirkungsvoll.

Hier macht eine Rinse im sauren Bereich besonders Sinn, da die Haare durch das Färben oder Bleichen strapaziert wurden und oftmals an Feuchtigkeit und Geschmeidigkeit eingebüßt haben. Also ist, um Feuchtigkeit zu bewahren oder zurückzugewinnen, wiederum die Saure Rinse das Mittel der Wahl.

Selbst ist die Frau – und MACHT die Frau!

Weil ich auf Natürlichkeit stehe, Geld sparen und trotzdem mein Haar und meine Kopfhaut verwöhnen will, mixe ich mir meine Rinse einfach selbst. Das Gute: Kein großer Aufwand, alle Zutaten sind natürlich und ich weiß genau, was drin ist. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, je nachdem, mit welchen Zutaten du deine Haare zum Glänzen bringen möchtest.

Hier sind die Grundzutaten, die man dafür benötigt:

  • ein Glas mit Deckel für die Zubereitung
  • Essig beziehungsweise Apfelessig
  • ein Glas oder Flasche für die Lagerung

Alternativen zum Essig

Wer Essiggeruch partout nicht ausstehen kann, dem ist es vielleicht unangenehm, sich eine Flasche Essiggemisch über den Kopf zu schütten – verständlich! Daher gibt es auch Alternativen, zum Beispiel konzentrierter Zitronensaft oder Zitronensäure als Pulver. Aber Vorsicht: Hier muss etwas vorsichtiger dosiert werden als beim Essig. Vom Zitronensaft reicht ein Teelöffel pro Liter, beim Zitronensäure-Pulver genügt maximal ein halber Teelöffel. Natürlich gibt es die Saure Rinse von verschiedenen Herstellern auch als fertige Mixtur zum Kaufen, allerdings zu ziemlich hohen Preisen, da oft auf hochwertige Bio-Inhaltsstoffe geachtet wird.

Eine Ausrede fürs Selbermachen gibt es ja eigentlich auch nicht, denn kaum etwas ist schneller hergestellt als die Saure Rinse. Und wusste nicht auch schon Oma: „Selbstgemacht schmeckt‘s am besten“ – warum sollte es unseren hungrigen Haaren da anders gehen als uns? Probiert es doch einfach mal aus und verwöhnt euer Haar mit der wohl simpelsten Spülung der Welt, die Umwelt und Geldbeutel schont.

Hier ein paar Rezepte für Rinse!

Apfelessig-Rinse

Gebe 2 – 3 EL Apfelessig in 1 Liter kühles Wasser und gieße diese Mischung über dein Haar. Danach bitte NICHT nochmal mit klarem Wasser nachspülen! Dies würde die Wirkung abschwächen.

Wenn dir der Essiggeruch sehr widerstrebt – ich finde ihn nicht wirklich schlimm – gib einfach 1 – 2 Tropfen deines ätherischen Lieblingsöls dazu. Mein Favorit: Orangenöl. Ich könnte durchaus alles um mich herum dazu bringen, nach Orange zu duften. Doch selbst wenn du das weglässt, der Essiggeruch verflüchtigt sich auch so relativ schnell.

Herstellung der Rinse mit Zitronenmelisse

Das folgende Rezept habe ich auf der Seite schwatzkatz.com gefunden. Nun zu der Herstellung der Rinse. Die Zitronenmelisseblätter gut waschen und klein hacken. Durch das Hacken werden die ätherischen Öle freigesetzt. Diese füllt Ihr in Euer Einmachglas und füllt den Inhalt anschließend mit Apfelessig, bis es voll ist.

Nun braucht Ihr einen warmen Ort, wie zum Beispiel im Sommer eine Fensterbank. Im Sommer sind zwei Wochen vollkommen ausreichend, damit Eure Rinse fertig ist. Im Winter sollte die Zeit nicht länger als einen Monat betragen.

Mit einem Sieb werden die Pflanzenteile ausgesiebt. Nun solltet Ihr die fertige Rinse an einem trockenen Ort mit möglichst wenig Licht lagern. Der Essig konserviert die ätherischen Öle der Zitronenmelisse und damit ist Eure Rinse schon fertig.

Junge Frau mit wunderschönen langen, blonden, lockigen Haaren, fährt sich mit den Fingern durch die Haare.
Meine Empfehlung: Saure Rinse mit Zitronenmelisse.
Diesselbe Junge Frau von hinten mit wunderschönen langen, blonden, lockigen Haaren, fährt sich mit Fingern durch die Haare.
Die Haare werden durch die regelmäßige Haarspülung weicher, leichter kämmbar und glänzender UND sie duften fruchtig frisch.

Aloe Vera-Apfelessig Rinse

1 EL Aloe Veras + 2 – 3 EL Apfelessig auf 1 Liter Wasser.

Diese Spülung ist vor allem bei der Verwendung von Haarseife effektiv, da hier nicht nur neutralisiert, sondern dringend auch Feuchtigkeit zugeführt werden sollte. Aloe Vera bewirkt wahre Wunder! Das weiß ich spätestens, seit ich nach einem Fahrradsturz, bei dem ich mehrere Schürfwunden im Gesicht davontrug, anschließend von einer chinesischen Dame mit Aloe Vera Gel behandelt worden bin. Sie entnahm dieses direkt einer riesigen Aloestaude in ihrem Garten und empfahl, es täglich zusammen mit etwas Butter aufzutragen. Ergebnis? Äußerst schnelles Abheilen ohne Narbenbildung. Seither ist sie meine persönliche Feuchtigkeitsspenderin Nr.1! Am besten geeignet finde ich den reinen Pflanzensaft.

Zitronen-Rinse

Gebe 1 EL Zitronensaft in 1L Wasser und spüle die Haare damit. Wichtig: Achte darauf, dass du beim Auspressen der Zitrone Kerne und Fruchtfleischfasern in einem Sieb auffängst und nur der gefilterte Saft ins Wasser gelangt. Sonst musst du hinterher mühsam lauter kleine Stückchen Zitronenfruchtfleisch aus deinen Haaren pulen, mein ganz persönliches Erfahrungsfazit.

Apfelessig-Kräuter-Rinse

Bedecke die Blätter frischer Kräuter wie Pfefferminze, Brennnessel, Rosmarin etc. in einem verschlossenen Schraubglas vollständig mit Apfelessig und schüttle es kräftig. Nach 2 – 3 Wochen an einem warmen Standort kannst du die Essenz durch ein Sieb abseihen und fertig ist deine Apfelessig-Kräuter-Rinse. Im Kühlschrank hält sie 2 – 3 Wochen. Ich mixe mir immer mehrere Portionen, die ich dort aufbewahre.

Saure Rinse als alternative Haarspülung

Seife und Rinse sind gute Alternativen für Haut und Haar. Die Rinse ist bei Seifengebrauch notwendig, damit die Haare von Zeit zu Zeit von Seifenrückständen befreit werden, sich besser kämmen lassen und glänzender aussehen. Ich selbst benutze die Rinse einmal pro Woche ein Glas. Ich empfehle Euch jeden Monat 4 – 5 kleine Gläser vorzubereiten. So habt Ihr immer genug im Vorrat.

Mit ein bisschen Geduld und Zeit, kann man also so seine eigene Haarspülung herstellen. Dabei kann auf Plastik und Chemie vollkommen verzichtet werden. Das ist nicht nur gut für uns, sondern auch für die Umwelt. Die Unabhängigkeit von industriellen Kosmetika ist ein weiterer entscheidender Grund, hausgemachte Naturprodukte zu verwenden.

Noch was: Auch in punkto Umweltfreundlichkeit ist die Rinse unschlagbar: Keinerlei Chemie, kein Abfall durch wieder verwendbare Gläser, genau richtig für mein Naturfreunde-Herz!

Irgendwie hat es auch was, sich stolz die selbstgemachte Eigenkreation über den Kopf zu schütten. Schwer zu erklären, probier’s aus. Einige von uns mögen sich dadurch eventuell sogar besonders eng mit ihren weiblichen Vorfahren verbunden fühlen, die auch ohne synthetisch hergestellte Conditioner irgendwie ihre Haare zum Glänzen bringen mussten. So oder so, eins solltest du wissen: Eventuell wirst du all deine herkömmlichen Conditioner verschenken und künftig nur noch sauer „rinsen“.