Eine Sage aus Berlin: Der letzte Riese von den Müggelbergen

Nun erzähle ich Euch ein kleines Märchen vom letzten Riesen aus Brandenburg, eine der Sagen aus Brandenburg

Vor langer, langer Zeit lebte ein Riese in einer großen Höhle. Vor lauter Einsamkeit beschloss er eine junge Frau zu entführen. Die Tochter eines Stammesführers hatte es ihm angetan. Er wusste, dass sie hin und wieder in den Wald kam, um Beeren und Pilze zu sammeln. Eines Tages war es schließlich so weit, er schnappte das junge Mädchen und schleppte sie in seine Höhle. Fortan sollte sie, Tag für Tag, kochen, putzen und ihn bei Laune halten.

Es vergingen Jahre und aus der jungen Frau wurde eine traurige Schönheit. Die Geschenke aus Gold und Silber konnten ihren Schmerz nicht lindern. Sie vermisste ihren Geliebten und ihre Familie. Egal was der Riese auch versuchte, er konnte nicht ihr Herz gewinnen.

Eines Tages gingen beide wie gewohnt in den Wald, um Pilze für einen Eintopf zu sammeln. Plötzlich fand die Frau ein Zauberkraut, welches starke Müdigkeit hervorrief. Sie beschloss ein paar Pflanzen mit zu nehmen. In der Höhle angekommen, kochte sie dem Riesen ein herrliches Mahl und mischte das Kraut hinein. Der Riese war so hungrig, dass er den ganzen Topf aufaß. Es dauerte nicht lang und er verfiel in einen langen Schlaf.

Die Kraft der Liebe

Die Frau nutzte ihre Chance und rief laut nach ihrem Geliebten. Dieser hörte nicht nur das laute Schnarchen des Riesen, sondern auch die Schreie seiner Geliebten. Er alarmierte schnell ein paar Freunde und machte sich auf den Weg.

Dem Geschrei folgend, gelang er zur Höhle und sah den Riesen schlafend im Eingang. Er köpfte kurzerhand den Riesen und befreite seine zukünftige Frau aus dessen Fängen. Als Trophäe schnitt er eine Rippe aus dem Riesen heraus und brachte auch diese ins Dorf.

Die Familie der Frau war so froh, dass sie ein Festmahl organisierten. Kurzer Zeit später heiratete das Paar und wenn sie nicht gestorben sind, leben sie noch heute.

Ende gut, alles gut

Diese Geschichte wird in der Region um Dahme erzählt. Als Beweis für die Existenz des Riesen hängen am Molkenmarkt Nr. 13 ein Schulterblatt und eine Rippe. Ich hoffe, diese Sage hat Euch gefallen – vielleicht macht ihr Euch bei einem Besuch des Restaurants „Zur Rippe” am Molkenmarkt im Berliner Nikolaiviertel selbst ein Bild.