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Was die Nazis mit Berlin noch vorhatten

Die großen Fashion Weeks finden nicht in Berlin statt, sondern in Mailand, New York, London und natürlich in Paris. In Paris stehen die bekanntesten Modehäuser der Welt, befinden sich die populärsten Marken und Brands und es gibt ständig Ausblicke auf den letzten Schrei. Berlin bemüht sich seit Jahren redlich um die Installation seiner Fashion Week, doch schon der Beitrag in der Namensgeber durch einen Sponsor und größten deutschen Autobauer entlarvt die Veranstaltung als hilfloses Bemühen. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich wäre glücklich wenn die Hauptstadt nicht nur historisch ins Konzert der Großen gehören würde, doch im Bereich Mode scheint das erstmal nicht machbar. Umso erstaunlicher fand ich da den Plan der Nazis, im Zuge eines Endsieges einfach die ganze Haute Couture nach Berlin umzusiedeln!

Unter den Linden = Avenue de Montaigne?

Bekanntlich hat beispielsweise Coco Chanel mindestens indirekt mit den Nazis in Paris gute Geschäfte gemacht, doch Goebbels höchstpersönlich beschäftigte sich mit dem Gedanken einer Ansiedelung der Marken in Berlin. Dafür sollte Unter den Linden ausreichend Platz bieten und die selbsternannten Herrenmenschen waren hier ebenso eifrig am Planen wie beim Umbau Europas oder bei dem Völkermord. Klingt absurd oder? Chanel in Berlin? Sicher hätten es einige Marken mit jüdischem Hintergrund nicht geschafft in die damalige Reichshauptstadt, aber mit Details hatten es die Nazis in dieser Hinsicht wenig. Auch ein Karl Lagerfeld wäre heute sicher wenig extravagant und vor allem wenig wichtig, dafür ist der Lebensstil für Faschisten einfach zu pompös. Entscheidend war: Was die Welt trägt, das sollte aus Berlin kommen und es ist interessant zu sehen, wie dieses groteske Projekt umgesetzt werden sollte.

Vorschriften für die Mode

Größtes Problem: Die Freiheit des Schnitts. Wer die Geschichte der Couturiers kennt, der weiß zum einen, dass diese allesamt homosexuell sind und damit hätten die Nazis schon mal zu knabbern gehabt. Zum anderen braucht Fashion, braucht Design die Freiheit im Entwerfen und es ist zweifelhaft, ob die Vorstellungen eines Joseph Goebbels zu spannenden Entwürfen geführt hätten! Da wäre wohl eher „Kleidsamkeit“ die erste Regel gewesen, direkt verknüpft mit der Forderung nach möglichst geringem Einsatz von Material. Verschwendung, Opulenz und schockierende Elemente wären kaum dabei gewesen, doch gerade Brüche und neue Ansätze machen die Mode erst immer wieder frisch und interessant. Die Mottenkiste jedenfalls, aus der die Nazis entstiegen, geht mit Avantgarde und Trends nicht zusammen und deshalb wäre das Projekt Haute Couture aus Berlin wenn nicht gescheitert, so doch beträchtlich gering im Bereich Kreativität und Originalität ausgefallen.

Published inBeauty-Branche