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Sind Berliner trendy?

Die Bewohner großer Städte halten sich immer für eine Speerspitze des Geschmacks, egal ob gut oder schlecht und es ist nur konsequent zu fragen, ob das denn dann auch für Berlin gelte. Ich meine nicht das Bewusstsein selbst, das ist hier natürlich vorhanden und ausgeprägt und wird durch den massenhaften Zuzug sogenannter Kreativer noch befeuert, doch welchen Einfluss hat die Stadt eigentlich wirklich? Wo liegen die Scharniere zwischen Kunst, Wissenschaft, Wirtschaft oder auch Sport und Berlin? Sich selbst und seine Umgebung für wichtig zu halten, ja für den Nabel der Welt, das ist keine Kunst und wenig interessant, denn das macht jeder und Berliner sind im Angeben große Meister. Aber sonst?

Eine konservative Weltoffenheit

Eigentlich ist Berlin eine stockkonservative Stadt mit einer Antenne für das Gespür der Welt. Die Leute hier wollen wenig Veränderung und lieben diese zugleich, bringen neue Verhältnisse doch auch immer etwas zum Kommentieren und Beschimpfen mit. Das wird gern als Berliner Schrulligkeit bezeichnet und die vielen, selbst bundesweit berühmten Originale geben davon Auskunft. Diese besondere Art des Konservatismus, den man in Bayern übrigens gern hätte, doch dort wird das Ganze eher zur Provinzialität nebst Frau am Herd plus Kirche, ist Berliner Stil, unerreicht, schnodderig liebenswürdig. Aber trendy?

Bei der Musik und den ewigen Partys ist Berlin sicher ein globaler Spitzenreiter, aber zum einen ist Party kein Trend und zum anderen hat auch Berlin mit seinen zahllosen Künstlern noch keinen weltweit populären Eminem hervorgebracht. Leute wie Sido sind keine Trendsetter, sondern Trendreiter und das zeigt sich gleichfalls in der Mode oder auch in der bildenden Kunst. Die Bundeshauptstadt ist ein eklektisches Gemisch aus echtem Bemühen und Schaumschlägerei und weil alle so sind, merkt keiner die Mängel und Unschärfen.

Der ewige Privatkosmos

Größtes Problem: Die Selbstsucht der Berliner und vor allem der Neu – Berliner. Es ist spannend, wenn viele Leute ihr Potential einbringen, doch leider verwässert das Ganze, wenn es keine Leuchttürme gibt. Der Berliner hasst nichts mehr als Zugeständnisse und er wird niemals einen anderen für dessen Werk loben und sich selbst unterordnen. Solche Zugeständnisse sind für große Werke jedoch gerade am Anfang nötig und weil sie in Berlin fehlt, haben wir zwar eine breite kreative Atmosphäre, der Ausstoß am Ende an trendigen Entwicklungen bleibt jedoch in diesem privaten Kosmos der Eitelkeit sehr überschaubar.

Veröffentlicht inBeauty-Branche